Unruhen in St. Gallen – Statement

Wie schätzen Sie die jüngsten Ereignisse in St. Gallen ein?

Ich habe kein Verständnis für Gewalt und Sachbeschädigung. Damit bestraft man Gewerbler, die von der Krise ohnehin schon stark getroffen wurden. Für den entstandenen Schaden sollten die Demonstranten persönlich aufkommen. Ich verstehe aber, dass die Jungen genug davon haben, in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt zu werden, und das ohne Perspektive. Seinen Unmut kann man hingegen auf konstruktive, pragmatische Weise kundtun. Das ist bei den meisten Jugendlichen auch der Fall.

Stellen Sie den wachsenden Unmut von Jungen selber in Ihrem Umfeld fest?

Klar, wir sind alle müde hätten unsere Freiheiten gerne zurück. Über die Massnahmen wird im Freundeskreis oft diskutiert. Wir wissen nicht, wann es Lockerungen gibt und unter welchen Bedingungen es diese gibt. Auch ist für uns nicht verständlich, wieso die Impfstrategie später nach Altersgrenzen verläuft und man selbst keine Prioritäten angeben kann. Eine Unzufriedenheit, die zu solch grenzüberschreitendem Verhalten führen würde, konnte ich in meinem Umfeld nichtsdestotrotz nie erkennen. Es ist eine laute Minderheit, die sich auf diese inakzeptable Weise zu erkennen gibt.

Es wird oft moniert, auf Junge werde in der Coronapolitik zu wenig Rücksicht genommen. Teilen Sie diese Meinung? Wenn ja, was wären konkrete Vorschläge?

Wir haben ein gesamtgesellschaftliches Problem. Alle leiden unter der Unverhältnismässigkeit der Massnahmen. Bei Zahnarzt werden ihnen auch nicht präventiv alle Zähne rausgerissen. Dem Bund ist es nicht gelungen, mit gezielten Öffnungen unter Einhaltung der Schutzkonzepte der Bevölkerung und der Jugend eine Perspektive zu geben. Das führt zwangsläufig zu Spannungen. Was die Jugendlichen aber von Branchen und Verbänden unterscheidet, ist, dass wir keine Lobby haben. Die Jugend will gehört, verstanden und in der Massnahmenplanung miteinbezogen werden. Wir brauchen einen «runden Tisch» mit dem Bundesrat.


SRF Berichterstattung zur St. Galler Krawallnacht vom 3. April 2021:

https://www.srf.ch/news/schweiz/krawallnacht-in-der-ostschweiz-st-gallen-die-zuschauenden-wurden-teil-der-strassenschlacht